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Ein Club gegen die Langeweile

Esslinger Zeitung am 07.04.2010
http://www.ez-online.de/lokal/esslingen/esslingen/Artikel538658.cfm?service=rss

Ein Club gegen Langeweile

ESSLINGEN: Freizeittreff bietet organisierten Spaß nicht nur für Singles - Peter Riedel hat mit seiner Idee bundesweit Erfolg  

 

Von Kornelius Fritz

Natürlich gibt es Menschen, die am Wochenende nur kurz zum Hörer greifen müssen und schon stehen zehn gute Freunde für gemeinsame Unternehmungen auf der Matte. Doch das sei eher die Ausnahme, hat Peter Riedel festgestellt. Vor 14 Jahren hat der Esslinger deshalb den ersten Freizeittreff gegründet. Inzwischen gibt es bundesweit rund 25 solcher Clubs mit insgesamt mehr als 4000 Mitgliedern.

Als ihre langjährige Beziehung vor einigen Jahren in die Brüche ging, war das für Petra Öhler eine schwierige Zeit: „Ich wollte gerne wieder ausgehen, doch in meinem Bekanntenkreis gab es fast nur Pärchen“, erinnert sich die 36-Jährige. Manchen Samstagabend hat sie deshalb alleine und frustriert zuhause auf dem Sofa verbracht. Bis sie vom Freizeitclub hörte - ein Angebot, das sie sofort begeistert hat. Die Firma, die der Esslinger Peter Riedel gegründet hat, bietet organisierten Freizeitspaß in der Gruppe. Französisch kochen, ein Salsa-Schnupperkurs oder einen Ausflug in den Hochseilgarten - jedes Wochenende und zum Teil auch unter der Woche bietet der Freizeitclub Veranstaltungen an. Auch Wochenendtrips und gemeinsame Reisen werden organisiert. 24,90 Euro bezahlen die Mitglieder monatlich, für die Veranstaltungen fällt dann nur noch der Selbstkostenpreis an.

Keine Partnervermittlung

Die Idee für dieses Konzept hatte Peter Riedel aus Sulzgries bereits vor 14 Jahren: „Ich habe in meinem Bekanntenkreis sowieso immer Events organisiert“, erzählt der gelernte Elektroinstallateur. Weil seine Initiative dort gut ankam, wurde daraus eine Geschäftsidee. Hauptzielgruppe sind zwar Singles über 30, doch der Freizeitclub sei keine Partnervermittlung, betont Riedel: „Natürlich haben sich bei uns auch schon Paare gefunden, aber das ist nicht primär unser Ziel.“ Vielmehr gehe es darum, dass die Mitglieder ihre Freizeit aktiv und unter netten Leuten verbringen. In einer Zeit, in der viele Menschen ihre sozialen Netzwerke am Computer pflegen, hält Riedel es für wichtig, „dass die Leute wieder raus ins Leben gehen.“ Im Gegensatz zu einem Verein gibt es im Freizeitclub aber keinerlei Verpflichtungen. Jeder kann kommen, wann und wie oft er möchte und braucht sich auch sonst um nichts zu kümmern. Für die Organisation hat jeder Freizeitclub einen professionellen Leiter, der von der Anreise bis zum Absacker alles genau plant.

Für den Großraum Stuttgart hat Petra Öhler diesen Job übernommen. Ihr Ü30-Club hat 300 Mitglieder, doch bei den rund 120 Veranstaltungen, die sie pro Jahr organisiert, sind immer nur etwa 20 bis 40 dabei. Neulinge seien da schnell integriert: „Wenn ich sehe, dass jemand am Anfang etwas unsicher ist, stelle ich ihm gleich zwei, drei Leute vor“, erzählt die 36-Jährige, die im Hauptberuf als Sachbearbeiterin tätig ist. Meist sei das Eis aber schnell gebrochen, ergänzt Peter Riedel: „Jeder, der bei uns mitmacht, hat ja den Grundgedanken, dass er neue Leute kennenlernen möchte.“

Grundsätzlich ist im Freizeitclub jeder willkommen. Einzige Voraussetzung: Man sollte offen sein und die anderen mit Respekt behandeln. Mit jedem Interessenten wird deshalb zunächst am Telefon ein Gespräch geführt. Wer dabei keinen seriösen Eindruck macht, bekommt keine Einladung. „Wir lassen nicht jeden rein“, betont Riedel.

 

Senioren als neue Zielgruppe

Der Erfolg zeigt, dass der 44-Jährige mit seiner Idee ins Schwarze getroffen hat: Im Franchise-Prinzip sind inzwischen in fast allen deutschen Großstädten Freizeitclubs entstanden, die von selbstständigen Regionalleitern organisiert werden. Im Raum Stuttgart gibt es sogar schon drei Clubs: Neben der Altersgruppe Ü30 hat Riedel die über 50-Jährigen und rüstige Senioren ab 66 als neue Zielgruppen entdeckt. Für sie gibt es jeweils eigene Clubs mit einem der Altersgruppe angepassten Programm. Und der Unternehmer ist überzeugt, dass seine Idee noch viele Anhänger finden wird: „Ich hoffe, dass es irgendwann genauso normal ist, in einen Freizeitclub zu gehen wie in ein Fitnessstudio.“ 

www.freizeittreff.de